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Menschenbild und Lebensweise

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Menschenbild und Lebensweise

1 Die äußere Erscheinung

2 Festkleidung (Tracht), Hausrat

3 Unsere Mundart, unsere Schrift



4 Sprüche, Kinderreime

5 Andere über uns

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1 Die äußere Erscheinung

Der große Rechtsgelehrte August Ludwig Schölzer schreibt in seiner 'Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen' 1795 folgendes:

'man denke sich Deutsche in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts unter Magyaren, Walachen und Komaner versetzt: sie müssen ihren Nachbarn, links und rechts, erstaunlich aufgefallen sein! Erstlich, wegen ihrer Physiognomie, sanft, nicht asiatisch, nicht eisenfresserisch, zweitens wegen ihrer Lebens- und Nahrungsart: sie arbeiten'.

Der 'Volksschlag' ist gedrungen und zäh und sehnig und widerstandsfähig in der Arbeit. Erfreulicherweise ist eine auffällige Beleibtheit im Dorfe sehr selten. Die Körpergröße kann man dem burzenländischen Mittelmaß zurechnen. Die Brenndörfer sind keine 'Herumkutschierer' wie die Heldsdörfer, aber auch keine 'beweglichen' wie die Weidenbächer, sie stehen trotz 'Schollentretens' fest auf beiden Füßen.

Wie schreibt unser ehemaliger Notär Samuel Rheindt 1877 über seine Landsleute?

'Bedenklich und scheinbar unentschlossen sind sie gegenüber den an sie herantretende Schwierigkeiten, die ihre gewohnte Lebensweise, ihre althergebrachte Wirtschaftsart zu durchkreuzen drohn, doch sobald sie die gute und vorteilhafte Seite erkannt haben, oder sobald sie zur Einsicht gekommen sind, daß etwas verrichtet werden muß, greifen sie tüchtig zu, bis das Werk getan ist.'

Die Brenndörfer gehören zu jenen Bauern, die durch Sparsamkeit und Anstrengung sich ständig bemühten, ihren bescheidenen Wohlstand zu erhalten und zu festigen.

Sie sind im allgemeinen fleißige Kirchgänger. Doch würden sie, nur des Kirchgangs wegen, bei drohender Witterung an Sonn- und Feiertagen, schwerlich ihre Feldfrüchte oder ihr Vieh verderben lassen.

Die Brenndörfer sind, bei aller Güte und Nachgiebigkeit, nicht daran angetan, alles stillschweigend über sich ergehen zu lassen. Das bewiesen ihre Vohrfahren den 'Gräven' gegenüber, denen sie ihr Haus und ihre Mühle über dem Kopfe anzündeten, weil diese durch ihre feudalen Bestrebungen den Bestand des freien Volkes gefährdeten. Eine Tat und ein Vorgang, der nach heutigen Rechtsbegriffen nicht gebilligt werden kann, aber sie sind im Anblick auf die Zeiten der Gesetzlosigkeit durch Selbsthilfe anzuerkennen.

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Gegen äußere Feinde jedoch, hat ein Burzenländer der Gesamtheit seine Unterstützung nie versagt.

Der Burzenländer ist überlegt und arbeitet gewissenhaft und gut. Allgemein bekannt ist seine Ehrlichkeit. Geistige Regsamkeit und Unternehmungsgeist sind ihm eigen, sie befähigten ihn, mit geringem Grundbesitz, seine wirtschaftliche Lage dennoch so zu gestalten, daß das Burzenland das wohlhabendste sächsische Siedlungsgebiet wurde und heute noch ist. Neuerungen auf dem Gebiete der Landwirtschaft und Viehzucht wurden willig angenommen, auf die Verwertung der Erzeugnisse wurde besonderes Gewicht gelegt. Er ist gerne Bauer und Kaufmann zugleich.

Der Burzenländer beherrscht auch das Wort sehr gut und stellt sich dem Gespräch; ist sein Gegener zu überlegen, verlegt er sich aufs Schweigen, läßt sich aber sehr schwer überzeugen. Man kann in dieser Beziehung fast von Dickköpfigkeit sprechen. Ist er aber von seiner Sache überzeugt, tritt er temperamentvoll, ja hartnäckig für dieselbe ein.

Eine hervorstechende Gemütseigenschaft des Burzenländers ist sein Stolz.

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Er äußert sich in Kleidung, im Hausbau, die beide oft mehr verbrauchen, als die wirtschaftliche Lage es verträgt.

Er - der Stolz - ist doch ein wesentlicher Bestandteil seiner Eigenwilligkeit und kommt oft darin zum Ausdruck, daß der wirtschaftliche Niedergang nicht eingestanden, sondern getarnt wird. Ja, zuletzt wird das verlorene Eigentum auch an den Fremden verkauft, damit der als Schande geltende Verlust dem Volksgenossen nicht eingestanden zu werden braucht.

Gegen selbstverschuldetes Unglück ist der Burzenländer im allgemeinen hart. Im Falle eines, unverschuldeten Mißgeschicks, hilft er, ohne viele Worte zu machen. Daß er gleichmütig ist, geht niemanden etwas an.

Im Bezug auf aüßere Lebenshaltung ist der Burzenländer von Haus aus nicht sehr anspruchvoll. Die schönen Zimmer sind meist von der Familie nicht bewohnt, sie dienen der Wirkung auf andere und sollen dem Besitzer Achtung eintragen.

Er verlangt Leistungen von sich selbst und anderen, und der Besitz ist ihm ein Ausdruck der Leistungsfähigkeit. Daher wird er hochgeschätzt und bis zum äußersten verteidigt. Der Burzenländer ist somit auch ein guter Kunde bei den Rechtsanwälten.

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Die Führung der Gemeindeangelegenheiten wird meist denWohlhabenden anvertraut.

Er liebt die Ordnung, die ihm geregeltes Arbeiten ermöglicht. Große Freude hat er - wie jeder Deutsche - an kritischen Bertachtungen des öffentlichen Lebens und an Parteiungen. Eine starke Beobachtungsgabe für die Fehler und Schwächen anderern vermag er in spitzen Redensarten zu geißeln, er spottet gerne, was besonders in dem Verhalten der Nachbarvölker zueinander zum Ausdruck kommt. Seine Frömmigkeit ist an das Naturleben und an den Lebensverband gebunden. (s. Adolf Schullerus, Siebenb. sächs. Volkskunde, 1926).

Aus diesen Vorstellungen heraus finden verschiedene Bräuche wie Lärmmachen bei Hochzeiten. Taufen u. dgl. ihre Erklärung als Überbleibsel alten germanischen Heidentums. Er gibt selten oder gar nicht zu, abergläubisch zu sein, aber dadurch ist er nicht kirchlich frömmer geworden. Er ist sich der Bedeutung der sächsischen evangelischen Kirche bewußt, als der Einrichtung, die das völkische Leben trägt, er erkennt sie an, bekennt sich zu ihr, und gibt ihr die Beiträge, die sie als Erhalterin der Schule und Trägerin des völkischen Lebens überhaupt braucht, aber die eigentlichen Wurzeln

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seiner Frömmigkeit sind in einer Richtung wenigstens, mehr und mehr abgebrochen, abgestorben. Die christliche Frömmigkeit hat nur auf dem Wege über das Gemeinschaftsleben in sei Inneres Eingang gefunden. Zwischen Naturleben und Christenheit, hat die Kirche keine Brücke zu schlagen gewußt. Daß aber in den Burzenländern Bauern noch verborgene Quellen religiöser Sehnsucht liegen, zeift die Tatsache, daß verschiedene Sekten hier Fuß fassen konnten. Von Zeit zu Zeit gelingt es einigen begnadeten Pfarrern auf das ungestillte religiöse Bedürfnis einzugehen und, wo es zutiefst verborgen schläft, lebensgestaltend zu wecken.

Das hier gezeigte Bild stellt die seelische Eigenart der Burzenländer nicht widerspruchlos dar. Sie ist unterschiedlich von Gemeinde zu Gemeinde. Dem Unternehmensgeist steht zähes Festhalten am Selbergebrachten gegenüber. Diese Gegensätze treten meist in der Art in Erscheinung, daß ein Teil der Gemeinde so, der andere anders ist. Oft finden sie sich auch in ein und derselben Person. Zuweilen hat in einer Gemeinde eine solche Gruppe die Mehrheit, dann gibt sie der Gemeinde das Gepräge. Sollen wir

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den Schlachtruf 'Hie Kaufmes, hie Dworschak' ausbrechen?

Unsere Nachbarn in Petersberg z. B. zeigen eine starke Geschlossenheit nach außen und innen, lehnt Parteiungen ab. Die Tartlauer gelten als die Dickköpfigsten. Dieses Verhalten läßt sich aber nicht aus der Stadtnähe oder Stadtferne erklären. Nußbach liegt weit von Kronstadt und hat heute noch die 'Felderzusammenlegung = Kommassation' nicht durchgeführt. Das fortschrittliche Heldsdorf hat auch noch keine Bahnverbindung, erst seit kurzem Autobusverkehr nach Kronstadt.

Der Unterschied ist vielmehr auf rassische Verschiedenheiten zurüchzuführen. Es sei hier vorweg gesagt, was sich aus körperlichen Untersuchungen ergab, daß nämlich die Burzenländer deutsche Bevölkerung sich aus nordischer alviner(?) (ortischer) und dinarische(?) Rasse zusammensetzt, wobei das nordische überwiegt. Diese rassische Zusammensetzung erklärt die geistige Eigenart der Burzenländer. Wie ist es um diese bestellt? Eine solche Untersuchung erfolgte 1937 in Heldsdorf, Honigberg und Weidenbach an allen deutschen Bewohnern, die das 1 Lebensjahr überschritten hatten, in den übrigen Gemeinden aber nur jeweils

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20-25% der Erwachsenen. Es ergab sich folgendes Bild: Die deutsche Bevölkerung des Burzenlandes macht einen einheitlichen Eindruck. Die Männer sind mittelgroß bis groß, die Frauen bleiben im Vergleich mit anderen Bevölkerungsgruppen etwas zurück. Brenndorf, mit dem geringsten Mittelwert der Kopflänge für Männer, liegt im Bezug auf Körperlänge ganz vorne: 169,4 cm und gehört zu dem 'Mittelgroßen'. Der Gestalt nach, ist die Hälfte der Burzenländer Männer schlank. Brenndorf zählt zu den weniger schlanken Männern als im Durchschnitt des Burzenlandes (38,4%). Bei den Frauen ist die Zahl der Vollschlanken gering (13,2%), die der Dicken groß (22,6%). Das Gesicht ist 'mittellang', die Nase ist vorwiegend 'mittelbreit' und 'schmal', bei den Frauen verhältnismäßig schmäler als bei den Männern. Neben den geraden, sind wellige Nasenrücken häufig. Etwa 3/4 der Burzenländer haben 'braunes' und 'braunschwarzes' Haar, 1/4 hat blondes Haar.

So weit, so gut. Die verflossenen fünf Jahrzehnte haben große Veränderungen auf allen Lebensgebieten gebracht. Der 2. Weltkrieg ist über uns hinweggebraust und hat deutliche Spuren hinterlassen. Wir bemühten uns auch in den Nachkriegsjahren, dort von unserem völkischen und kirchlichen Erbe zu erhalten

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was noch möglich war. Es kamen Zweifel auf unsere sächsische Zukunft, die unter der kommunistischen Herrschaft nicht mehr gewährleistet schien. Viele sind inzwischen ausgewandert, zurück nach Deutschland, aber auch in andere westliche Länder. Das Bild unseres Heimatdorfes ist bunt und trüb und stark verwirrend, alles ist in Frage gestellt. Unsere Gemeinschaft ist geteilt und in sich aufgespalten.

2 Festkleidung (Tracht) und Hausrat

Durch das Tragen der Tracht (= Festkleidung) bezeugt man letztlich, daß man sich allen Normen und Regeln des Zusammenlebens in der völkischen Gemeinschaft fügt, daß man nicht nur die gleiche Sitte und Sprache, den gleichen Glauben besitzt, sondern auch das gleiche Empfinden für Recht und Wert hat und behalten will!

Dem 'Jahrbuch 1967 - Siebenbürgisch- Sächsischer Hauskalender' herausgegeben vom Hilfskomitee der Siebenbürger Sachsen in München, entnehmen wir folgende Kennzeichnung der Burzenländer Tracht: 'Es ist bekannt, daß die Trachten des Burzenlandes zu denen des Nösnerlandes einen großen Gegensatz bilden. Dort eine kaum übersehbare Vielfalt, hier größte Einheitlichkeit; dort wird die Tracht im Haus gefertigt, hier wird sie bei Trachtenstickereien bestellt; dort eine leuchtende Farbenpracht, hier der ernste feierliche Einklang von schwarz-weiß-gold'!

Die Männer - auch in Brenndorf - tragen den bis an die Knöchel reichenden dunkelblauen Tuchmantel (Rock) mit den hohen roten Samtaufschlägen und den blinkenden Silberhefteln auf der Brust, mit den verschnürten Taschenschlitzen in mittelblauer Farbe und mit der leuchtend grünen Tuchfütterung. Der Mantel wirkt feierlich, ernst und schwer (s. Abb.)

Die jüngeren Frauen ziehen zum weißen Trachtenhemd, dessen Armel der Länge nach ein handgearbeiteter Einsatz ziert und dessen Vorderteile und Armelbändchen mit gelbem Garn ausgeführte schöne Faltenstickereien zeigen, einen schwarzen Tuchrock und ein schwarzes, seitlich geschlossenes Samtleibchen an. Den Rock schmückt eine weiße, mit Kettenstich im Stickrahmen gearbeitete oder genetzte Schürze. Das Leibchen ist auf der Brust reich bestickt, entweder mit verschiedenen gedrehten Goldfäden oder mit Seide in gelber Tönung. Den Leib umschließt der (vergoldete) Spangengürtel. Das Gesicht umrahmt eine in viele kleine Falten gelegte schwarze Tüllspitze des Frauenhäubchens mit überaus feinem handgestickten Tülldurchzug, die wie eine Strahlensonne wirkt; unter dem Kinn und hinten im Nacken hängen von dem schwarzen Samthäubchen breite schwarze Samtbänder, die genau wie der Haubenboden mit schwarzer Goldstickerei versehen sind.

Die ältern Frauen und solche die in der Familie einen Trauerfall hatten, meiden das Gold und tragen Leibchen, Häubchen, Maschen und Bänder nur mit schwarz bestickt. Auch die weißen Hemdchen und weißen Schürzen fehlen bei ihnen, so daß schwarz in schwarz einen sehr ernsten Eindruck macht.

Die Mädchentracht ist hell. Zum selbstgestickten Hemd wird ein cremefarbiger Faltenrock, ein ebensolches Samtleibchen, mit Gold oder farbiger Seide bestickt, angetan und eine bunt tamburierte Schürze.

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Der Spangengürtel und das rote Mädchenband, die geblümten Seidenbänder über dem buntgestickten cremefarbigen Samtband vervollständigen diese Tracht.

Es gab natürlich kleine Unterschiede in der Farbe und Zierform der stilisierten Blumen. Der schwarze Samtborten ist nicht so hoch wie im Nösnerland und sitzt gänzlich unbefestigt auf dem Kopf. Den Höhepunkt der trachtlichen Prachtentfaltung bildet die Hochzeit und innerhalb dieser die erstmalige 'Schleierung' der jungen Frau. Dieses schwere Amt war einer erfahrenen alten Frau übertragen. Eine Besonderheit des Burzenlandes ist dabei der rote Schleier, der so knapp ist, das er gerade nur das Haupt bedeckt. Uraltes Erbteil ist darunter die 'geflochtene' Sternhaube.

Die Knappheit des Schleiers wird durch die Schleiernadeln, 30 - 40 Stück, reichlich aufgewogen, die den Kopf der jungen Frau schön erscheinen lassen. Es darf hier nicht verschwiegen werden, daß das Burzenland am raschesten von allen Siedlungsgebieten damit anfing, die Tracht aufzulassen.

Und wie kleidet sich der Brenndörfer Bauer heute? Die Männer tragen ein einfaches weißes Leinenhemd mit Kragen, allmählich überwiegen die Fabrikshemden, farbige und gemusterte, sie sind billiger. Man trägt dunkle, lange Hosen, früher waren es meist dunkle und als 'Reiterhosen' zugeschnittene Tuchhosen.

Zur Festtracht werden immer noch Schaftstiefel getragen, freilich, zum Sonntagsanzug mit langen Hosen, städtisch und modern zugeschnitten - nur Schnürschuhe oder Halbschuhe. Verschwunden sind die 'Foißdocher' (Fußlappen), die man früher zu den in Zeiden gefertigten Stiefeln (1870-1900) trug, die Strümpfe kamen ja nur im 20. Jahrhundert auf den Markt.

Zu der Väter Hausrat ist im Laufe der letzten 50 Jahre manches hinzugekommen, z.B. Rundfunk- und Fernsehapparat. Statt den einst zweckgebundenen Truhen stehen heute sehr oft Diwan bzw. Sofa, noch überwiegen die alten Kleiderschränke und sonstigen Hausmöbel, da sie als Erbstücke in Ehren gehalten werden (und als besser und solider betrachtet werden)

An den Wänden hängen neben den alten Schwarzweißfotos auch Farbfotos. Fast überall aber zeugt ein Bild von der unvergeßlichen k.und k. Militärzeit, der guten alten 'Kaiserzeit'.

Zuweilen zieren Teppiche die weißgescheuerten Dielen, eine moderne Hängelampe erhellt das abendliche Zimmer besser als früher. Allerlei 'technischen Dinger' zeugen vom fortschrittlichen Geist seiner Bewohner. Zur gleicher Zeit wird der Bauer sich der Schönheit und des Wertes 'bäuerlicher Kultur' bewußt, wie er sie bei seinen Vorfahren gesehen. Die schön ausgestickten Tischdecken und andere Stickereien werden wieder hervorgeholt, die alten Krüge und Zinngeräte nehmen ihren Platz von 'anno dazumal' ein und glücklich das Haus, in dem sich der große Kachelofen behaupten konnte. Fröhlich aber das Gesicht jener Gescheiten, die dem modernen Hausrat ablehnend gegenüber standen und mit Vorbedacht das ererbte Kulturgut in die neue Zeit herüberretteten.

Eine Tatsache ist nicht zu übersehen: Die alten und muffigen Wohnungen von früher werden zielbewußt zu gesünderen und neuzeitlichen Lebensräumen umgewandelt, man drängt mit Macht zu einem leichteren und besseren Dasein.

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Von den 'westwärts' gewanderten bzw. mitgebrachten Kulturgütern siebenb. sächs. Herkunft, die in bescheidenem Ausmaß auch in vielen 'guten Stuben' Brenndorfs ihren Ehrenplatz hatten, zeigen wir einige schöne Krüge (Abb. 94) und Teller (Abb. 95), wie auch einen Kachelofen (Abb. 96). Wir wollen damit sichtbar machen, daß die Sammler und heutigen Besitzer solcher Kulturgüter sich zunächst selber finden wollen, dann aber auch ihre historische Entstehungslandschaft leuchten lassen. Wie sagt doch Adolf Meschendörfer: 'Wenn ein Volk an seiner Kultur arbeitet, so arbeitet es an seinem Charakter und damit für seinen Bestand.' Wir sollten diesem Ausspruch mehr Aufmerksamkeit schenken und unser einstiges siebenb. Umfeld auch in den neuen Lebensräumen pflegen und bewahren. Eine reiche Quelle zum Erwerb solcher Kulturgüter (Stickereien, Keramik) bieten unsere heimatlichen Pfingsttreffen in Dinkelsbühl. Ein Plätzchen hierfür bietet uns gewiss jede Wohnung an. Versuchen wir es mal!

     Seite 13 Abb. 81: Horvath Peter (1817) und Horvath Anna geb. Stamm (1827)

     Seite 14 Abb. 78: Roth Hans und Sophie geb. Preidt

     Seite 15 Galter Johann

     Seite 16 Abb. 85: Teutsch Georg u. Hanni geb. Teutsch, Abb. 86: Ehepaar in Tracht.

     Seite 17 Abb. 82: Dworschak Katharina geb. Promer(1851)

     Seite 18 Schmidts Georg (1872)

     Seite 19 Schuster Peter (1841)

     Seite 20 Abb..Familienbild um 1900

In der Burzenländer Tracht ist schon vor der Jahrhundertwende städtischer Einfluß zu erkennen. Anstelle der Bockelung wurde über dem glatten Haar ein mit schwarzer Spitze besetztes Häubchen getragen. Statt des weißen Hemdes haben die Frauen eine blusenartige schwarze Jacke aus glänzendem Material getragen.

     Seite 21 Abb..Jungverheiratete - 1937

Im Burzenland hat sich nur noch die Schleierung (det Schlajern) erhalten Sie wird am Hochzeitstag um Mitternacht (?????) vorgenommen.

     Seite 22 Abb..Bäuerin Rosina That

     Seite 23 Abb. 87 Mädchentracht (1910), Abb. 88 Anna und Robert Dworschak (gebockelt oder geschleiert 1930)

     Seite 24 Abb. 90 u. 89, Frauen in Tracht (1942)

     Seite 25 Abb. 92 und Abb. 91



     Seite 26 Abb. 94 (5 Krüge)

     Seite 27 Abb. 95 (1 Krug, 2 Teller), Abb. 96 (Kachelofen)

     Seite 28 Abb. 97 Burzenländer Wappendecke

     Seite 29 Abb. 93 Unsere Konfirmandinnen 1936 (Foto fehlt)

Unser Bild-Archiv ist im Besitz aller Konfirmations-Fotos aus den Jahren 1927-1984, eines ist schöner als das andere. Am schönsten ist wohl das hier beigefügte Bild der sogenannte 'goldenen Konfirmation' von 1936, das in seiner einfachen Schönheit und Geschlossenheit an Geist und Gemüt pocht, beschwingt, erschüttert, bereichert, nachdenklich macht!

Wir haben die Namen dieser schönen Mädchen festgehalten:

1. Reihe (vorne), von links nach rechts         2. Reihe, von links nach rechts

1 Anna Bartholomä (46)                              11 Rosi Jekel (237)

2 Rosi Mechel (157)                                        12 Tilli Schuster (83)

3 Rosi Klees (64)                                            13 Rosi Tontsch (68)

4 Rosi Kaufmes (85)                                   14 Tilli Mayer (304)

5 Anna Ferenz (38)                                          15 Herta Hubbes (253)

6 Tilli Stamm (281)                                          16 Rosi Rosenauer (194)

7 Else Lückmann (2)                                   17 Mali Promer (248 B)

8 Frieda Greger (24)                                   18 Anna Zerbes (226)

9 Luise Tontsch (68)                                   19 Tilli Mechel (Kreisel, 151)

10 Klara Stamm (91)                                  20 Milli Schoppel (44)

3. Reihe, von links nach rechts                     4. Reihe (rückwärts), von links nach rechts

21 Herta Stamm (201)                                     31 Hermine Roth (143)

22 Hilde Brenndörfer (100)                         32 Hermine Wagner (34)

23 Rosi Jekel (234)                                         33 Emmi Reiß (239)

24 Klara Schuster (103)                              34 Hermine Köcher (167)

25 Hilda Daniel (26)                                        35 Mali Seimen (71)

26 Elwine Copony (56)                                    36 Rita Klein (106)

27 Elsi Olesch (52)                                          37 Tilli Rothbächer (106)

28 Anna Lurtz (194)                                   38 Hanni Kreisel (12)

29 Emmi Klusch (204)                                     39 Hilde Zerbes (22)

30 Mali Seimen (33)                                        40 Klara Klees (197)

In vorderster Reihe: Pfarrer Schuller

     Seite 30 Abb. 76: Jahrgang 1925. 1. Reihe (liegend): Georg That (Müller), Anna Stamm geb. Schuster, Georg Roth (alte HNr. 130), 2. Reihe (stehend): Luise Stulmüller geb. Kuhn, Andreas Jekel (bei der Zuckerfabrik), Anna Schuster geb. That, Fritz Schuster, Rosa Wagner geb. Schoof, Fritz Ließ, Anna Brenndörfer, geb. Tontsch.

Abb. 77: Jahrgang 1928. 1. Reihe (von links nach rechts): Anna Schuster geb. That, Rosi Klusch geb. That, 2. Reihe: Anna Brenndörfer geb. Tontsch, Anna Copony geb. Stamm, Rosa Madyari geb. Schuster, 3. Reihe: Luise Stuhlmüller geb. Kuhn, Anna Klusch geb. Ziglasch, Rosi Wagner geb. Stoof, Katharina Jekel geb. Reiss, Anna Stamm geb. Schuster.

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3 Unsere Mundart, unsere Schrift

Sprache unser!

Die wir dich sprechen in Gnaden,

dunkle Geliebte!

die wir dich schweigen in Ehrfurcht,

heilige Mutter!

Mit diesen erhebenden Worten schließt der sprachgewaltige österreichische Dichter Josef Weinheber seinen 'Hymnus auf die deutsche Sprache'. Indem er 'der Sprache diente, war ihm gewiss, der Ordnung der Welt zu dienen. 'Bitteren Kampfes, jeglichen Opfers wert'lautet sein Aufruf an uns Heutigen, alles zur Erhaltung unserer bedrohten Mundart zu tun, und ihr damit auch in Zukunft 'Würd und Weihe' zu geben.

Das Festhalten an unserer Sprache bzw. Mundart ist uns immer wieder erschwert worden durch den politischen Wandel, der sich besonders in den letzten 100 Jahren in Siebenbürgen vollzog. Es war zunächst der madyarische Chauvinismus, der1867 (im Ausgleich mit Österreich) unserer politischen Autonomie

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ein Ende setzte. An ihre Stelle trat die 'Kulturnation' mit ihren berüchtigten, unsere Eigenart bedrohenden, Schul- und Sprachgesetzen. Als Folge der Auflösung der Donaumonarchie, dann die Elementarereignisse der beiden Weltkriege, und der Entstehung des 'sozialistisch-kommunistischen' Rumäniens, ergaben sich bekanntlich für unseren Volksstamm ganz neue und erschreckende Existenzbedingungen. Wohin diese uns letzten Endes führten, sagte uns der Diktator Rumäniens am 29. Juni 1977: 'Es gibt in Rumänien nicht mehrere philosophische Anschauungen, sondern lediglich die eine: den dialektischen und historischen Materialismus. Daraus ergibt sich in der Tat die einzige Zensur: wir bedürfen keiner Anderen. Sie muß allerdings die Eliminierung (= Beseitigung, der Verf.) alldessen gewährleisten, was nicht unserer Weltanschauung entspricht. Von einer Abschaffung einer Kontrolle kann keine Rede sein.'

Diese Bedrohung beinhaltet: Die Einschmelzung der Siebenbürger Sachsen in den rumänischen Volkskörper! Von einer Obhutpflicht gegenüber allen Minderheiten des Landes, weiß dieser neue Dracula nichts. Der geplanten Freiheitsberaubung entziehen wir und bekanntlich durch Auswanderung bzw. Rücksiedlung in unsere Ur-Heimat Deutschland.

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Der nordsiebenbürgische Sprachforscher Richard Huss schreibt 1926:

'In das Burzenland sind um das Jahr 1211 hauptsächlich aus den Randgebieten Sächsisch Regens Kolonisten abgewandert. Der Kern der Burzenländer gehört sprachlich näher zu diesem als zu dem sogenannten Altland. Der Kern der Burzenländer Mundart stammt in erster Reihe nicht aus der (ehemaligen) Hermannstädter Provinz, sondern aus der Teckendörfer Mundart im Sächsisch Regener Gelände. Die Hauptbesiedlung des Burzenlandes kann keinesfalls vom Königsbodes her erfolgt sein, sondern vom Komitatsboden und vom Adelsboden. Und das war wieder am ehesten im Sächsisch Regener Gelände möglich.' Huss erkennt somit , daß das Verbot der Aussiedlung vom sogenannten Königsboden gerade eine solche beweist, natürlich muß es ja doch geschehen sein, sonst hätte der König es nicht verboten!

Tatsächlich gibt es an Reens Westrand Orte die z.T. im ungarischen Namen den Zusatz 'szàsz' führen, z.T. von der sächsischen Bevölkerung mit eigenen Namen benannt wurden, aus denen die Auswanderung erfolgt sein könnte.

In Teckendorf findet sich das auffällige altbairische Merkmal, Verschluß statt Reibelaut in den Verbindungen p und tsp, das zum besonderen Kennzeichen aller burzenländer Mundarten geworden ist. Wenn es heute in der Kronstädter Innenstadt fehlt, so ist es doch aus älterer Zeit auch von hier bezeugt.(Keinzel, S. 306-309).

Ein anderes Sprachmerkmal, das den südlichen Teil des Nordens mit dem Burzenland verbindet, ist flämisches, unverschobenes in- und auslautendes k. Es gilt in Botsch - und dann auch noch in Brenndorf. Es heißt z. B.

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in Botsch 'Genauk', in Brenndorf 'Genak'. Die flämische P(?)latinisierung (im harten Gaumen artikulierter Laut) z.B. g, k, ch (in ich), verbindet den südlichsten Ort im Norden, Birk, mit dem Burzenland.

Der Schenker Stuhl lag von den alten Stühlen der ehemaligen Hermannstädter Provinz dem Burzenland am nächsten. Und es gibt auch sonstige sprachliche Beziehungen zwischen den beiden Gebieten. Ortsnamengleichungen: Neustadt hier und Neustadt dort, Zied und Zeiden, Tarteln und Tartlau. Dazu wurde die zweiförmige rheinische Betonung, der musikalische Trägheitsakzent gerade in Neustadt dei Agneteln und in Zeiden bewahrt.

Das Burzenland ist die Hauptheimat der rheinisch-flämischen Genitivnamen und läßt sich über Schäßburg nach Nordsiebenbürgen verfolgen.

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Eine Familiennamen-Brücke von Nordsiebenbürgen zum Burzenland bilden auch die zwei Deikönigsnamen Kaspar und Baltasar und der rheinische Eigenschaftsname Lurz. Kaspar ist in Weilau und Niedereidisch, in Katzendorf und Neustadt im Burzenland, und dazwischen in Gendersch und Nadesch. 1697 gab es einen Lehrer Baltres in Reen, Baltres in Felmern, Boltres in Honigberg und Neustadt bei Kronstadt. 1680 gab es auch einen Reener Ledermeister Lurtz. Die Hauptheimat des Namens ist im Repser Gelände, wo es auch bei den Koboder Ungarn einen von ehemals hier wohnenden Sachsen übrig gebliebenen Namen Lurcza gibt. Und schließlich ist der Familienname a.h. in Brenndorf im Burzenland.

Die Frage nach der Besiedlung des Burzenlandes von der Sprache (Mundart) her betrachtet, hat nach neuesten Untersuchungen folgende Antwort gefunden:

1. Das Burzenland hat eine sächsische Bevölkerung durch Weitersiedlung der in Siebenbürgen schon ansäßigen Deutschen bekommen.

2. Die ersten Siedler, ihr geringerer Teil, kamen aus dem Gebiet um Schenk.

3. Darauf kam die Hauptmasse der Siedler aus den ehemaligen Komitatsdörfern des Reener Geländes. (Keinzel).

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Das Siebenbürgisch-Sächsische gehört seiner Grundstruktur nach, zu den westmitteldeutschen Mundarten. Seine Urheimat befindet sich in der Hauptsache im rhein-moselfränkischen, im luxemburgischen und kölnischen (ripunrischen) Raum. Daneben finden sich Elemente des Niederdeutschen und Ostmitteldeutschen.

Das Siebenbürgisch-Sächsische hat sich im Lauf der Jahrhunderte auf siebenbürgischem Boden zu einer eigenartigen Sprachform des deutschen Sprachsystems entwickelt und ist die Stammessprache der Siebenbürger Sachsen geworden, wie es etwa das Platt der Niederrheinländer ist. (Charakteristische Formen: dat/das, wat/was, pol/Pahl, dog/Tag, aber woßer/Wasser, zan/Zehn u.a.m.).

Im 1 Jahrhundert bildete sich eine dem mündlichen Verkehr vorbehaltene überregionale Verkehrssprache heraus, die auf der Mundart von Hermannstadt fußt. Es handelt sich, um eine gehobene Redeweise, wie sie in den Versammlungen der Nationsuniversität (dem sieb.-sächs. Landesparlament), in den Amtsstuben, auf der Kanzel und in den Schulen verwendet wurde. Sie nimmt bis in das 19. Jahrhundert eine Vorrangstellung im öffentlichen mündlichen Verkehr ein, so daß die Möglichkeit einer eigenständigen Schriftsprache in Erwägung gezogen wurde.

Im Jahre 1846 wurde in der Sächsischen Nationsuniversität zum ersten Mal hochdeutsch - und nicht sächsisch - verhandelt. Zwei Jahre später ordnete der damalige Bischof der ev. Kirche in Siebenbürgen Georg Paul Binder an, daß fortan nur noch in deutscher Hochsprache von der Kanzel gepredigt und in der Schule unterrichtet wird. Und das geschieht bis zum heutigen Tag.

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Die Kriegsereignisse führten bekanntlich zur Evakuierung der nordsiebenbürgischen Dörfer. Mit den flüchtenden Sachsen fuhr im Treck auch ihre Mundart mit, und nun besteht die berechtigte Sorge, daß diese bald nicht mehr gesprochen wird. Die Ereignisse nach dem 23. August 1944 führten zur Deportation, Vertreibung. Flucht und Auswanderung von vielen tausend von Sachsen, auch aus den südlichen Landesteilen, Altland und Burzenland. Und heute wissen wir, daß in Deutschland mehr Siebenbürger Sachsen leben, als in unserer früheren Heimat. In die entvölkerten Städte und Dörfer drängen rumänische Kolonisten. Der Lebensraum aller noch in ihrer Heimet verbliebenen deutschen Bürgern, wird planmäßig eingeengt, ihre Kraft zum überleben läßt nach. Da sie eben doch noch geschlossen wohnen, können sie miteinander spechen und ihrer Mundart Würde und Weihe geben!

Nicht so gut gestellt in dieser Hinsicht sind die geflüchteten, vertriebenen und ausgewanderten Siebenbürger Sachsen, weil sie im deutschen Sprachraum weit verstreut leben, also die ehemaligen Nachbarn und Gesprächspartner entbehren müssen.

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Über die 'Geschichte der Burzenländer Mundart' schreibt Dr. Andreas Scheiner in 'Das Sächsische Burzenland einst und jetzt', S: 300, folgendes: 'Die erste Andeutung landschaftlicher Gliederung siebenb. deutscher Mundart findet sich in der Weltbeschreibung des Baseler Gelehrten Sebastian Münster aus dem Jahre 1550, wo er über Siebenbürgen und Siebenbürger Sachsen schreibt: 'es ist ein trefflich Volk in diesem Land , gebrauchen sich der deutschen Sprache; denn sie seien vor Zeiten aus Sachsenland darein gekommen, wie sie dann noch im 'Altland' ihres alten Herkommens in der Sprache gute Anzeigung gegeben mit dem, daß sie watten(?) und datten wie Niederdeutschen.'

Eine allgemeine und eigentümliche Landessprache haben die Siebenb. Sachsen gleich den übrigen deutschen Stämmen tatsächlich gehabt. Wir dürfen uns vorstellen, daß die aus der Honterus - Schule hervorgegangenen Rechtsgelehrten und Prediger Thomas Bomalius, Mathias Fronius, Damasus Dürr zwar neuhochdeutsch schrieben, aber gemeinsächsisch gesprochen und gepredigt haben. Je mehr das ältere Siebenbürgerdeutsch in unserer Gemeinschaft durch die neuhochdeutsche Schriftsprache verdrängt wird, desto offenkundiger wird der Gegensatz

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zwischen Wort und Schrift, bis sich die Kluft nicht mehr überbrücken läßt. Erst ein Menschenalter nach Johannes Förster, ist auch das Burzenland in seiner mundartlichen Besonderheit erkannt worden. Der Kronstädter Markus Fronius spricht 1705 von einer burzenländischen Mundart (dialectus Barcica), der Hermannstädter Georg Soterius macht besondere Merkmale Kronstädter Mundart aus, der Hermannstädter Martin Felmer (+1767) endlich führt u.a. noch 'zpelf' und 'spuerz' als Kronstädter und Burzenländer Mundart an. Felmer hat damit die Lautgrenze erreicht, die nach unseren Kenntnissen das Burzenländische vom benachbarten Siebenbürgischen aufs Schärfste sondert. Von übergreifenden Sprachbildungen ist anzunehmen, daß sie Zeichen der Begegnung verschiedener Mundarten sind. Auch unsere Burzenländer Mundart scheint einen rheinischen und einen sächsischen Pol zu haben.

Zu der auffälligsten Mundart des Burzenlandes gehört neben dem 'Zeidnerischen' das 'Brenndörferische'. Jene hat einen singenden Tonfall; der Brenndörfer bevorzugt eine harte scharfe und knappe Aussprache der Mitlaute mit Vermeidung der gehauchten, die Selbstlaute benutzt er meist gepaart mit Bevorzugung von oi und äu, des Umlautes von ä und des gedehnten e, u, a.

Wir können nicht sagen, daß unsere Mundart für den Fremden wohltuend oder bezaubernd klingt. Aber dennoch ist sie eine echte Bauernsprache und birgt unendliche Schätze des Gemütes in sich, und wer unser Herz rühren oder gar bewegen will, muß schon in dieser für uns schönsten Sprache zu uns sprechen.

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Etwa bis 1841-50 ist im Burzenland die sächsische Mundart ausschließlich Umgangs- und vornehmlich Kirchen- und Schulsprache gewesen. Noch in der Zehnt(?)-Zeit war es, daß die Pfarrer anfingen, jeden anderen Sonntag deutsch zu predigen.

Die 'Honorrationen' Kronstadts, die in den Kreisen der österreichischen Beamtenschaft und des kaiserlichen Militärs verkehrten, beeilten sich mit ihren Kindern deutsch zu sprechen. Die Spitzen einiger Dörfer machten es ihnen bald nach. Auch die Brenndörfer, doch ohne Schaden zu nehmen. Sie wurden sich rasch bewußt, welcher Schatz und Schutz in der Mundart fürs sächsische Wesen enthalten ist.

Im Sommer 1913 wurden von Andreas Scheiner (Hermannstadt) in Kronstadt, Bartholomae, Rosenau, Neustadt, Wolkendorf, Weidenbach, Zeiden, Heldsdorf, Tartlau, Honigberg, Petersberg, Brenndorf, Rothbach, Marienburg, Nußbach und Schirkanyen Dialektaufnahmen gemacht, welche einer vorläufigen Auskunft über Ausdehnung, Gliederung und Einheit dieses Teils Siebenbürgens dienlich sein sollten. Aus diesen wissenschaftlichen Untersuchungen wollen wir die wesentlichen Züge und Ausdrucksformen unserer Munart festhalten.

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Die lautliche Wiedergabe dieser Wörter ist ein Unterfangen von hohem Schwierigkeitsgrad. Es ist eine ungewöhnliche Aufgabe brenndörferisch (sächsisch) zu schreiben, weil ein ernster Mangel an erprobten Schriftzeichen herrscht für die genaue Wiedergabe dieses Sondergutes unter den burzenländischen Mundarten. Wichtig und erstrebenswert ist, alle phonetischen Besonderheiten zuverlässig festzuhalten, wissend, daß die brenndörfer Mundart sich in hohem Grade der dialektischen i - Färbung zuneigt.

Wir haben begonnen unsere Mundart auf Tonbänder d.h. Kasetten zu sprechen. Eine großartige, heute mögliche Aufgabe. Sie ist ein lobendes Ziel für jeden heimatbewußten Brenndörfer, hier mitzumachen. Die Nachwelt wird sich gewiß freuen zu hören, wie die Sprache ihrer Vorfahren klingt, die durch Landschaft, Geschichte und Tradition geprägt wurde.

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1. Der Konsonantenstand.




Nach A. Scheiner ist die Bildung und Entwicklung der Konsonanten (Sprachlaute) vollkommen mittelfränkisch, jedoch sind einige Unterschiede gegeben. Es drängen sich vor allem folgende Punkte auf:

schp-, tsp - für altes sw-, tw im ganzen Burzenland, außer der Inneren Stadt: schpenj-schpen, tspelf-tspaelf.

g - für altes j im ganzen Burzenland.

r, das ist das Zungensoitzen-r, es ist im ganzen Burzenland die Regel.

2. Kurze Vokale (Selbstlaute) in geschlossenen Stämmen

a) Distel           =dastl

b) Luft              =laft

c) Schlüssel =schlasl

d) Mücke         =makj

e) stechen         =schtoechen

f) Asche           =oesch

g) Posten          =post

h) Gasse           =gaus (gauss, gaues)

i) Latte             =lats

zu a) Fisch, zwischen, glitschen: gehen im allgemeinen mit Distel, doch heißt es in Brenndorf 'gletschen'.

zu b) Brust: schließt sich an Luft an

zu c) knüpfen: geht mit Schlüssel

zu d) Brücke, Rücken: geht mit Mücke

zu e/f) Treffen, Flecken, lecken, Eck: gehen mit stechen und Asche

zu g) Joch, Tropfen, Rocken. gehen mit Pfosten

zu h) Ast, machen: schließen sich an Gasse an

3. Kurze Vokale (Selbstlaute) in offenen Stämmen

a) Wiese          =wis

b) Furche         =fur

c) Mühle      =mil

d) befehlen       =befielen

e) Esel              =iesel

f) Leder            =lader

g) Rad              =rat

h) Kohle           =käilen

i) Dotter           = doder

k) mahlen         =muelen

l) Gevatterin =Gefadr(an)

zu a) Birne, Giebel: gehen mit Wiese

zu c) Übel: geht mit Mühle (soweit gebräuchlich)

zu d/e) Flegel: geht mit befehlen und Esel

4. Lange Vokale und Zwielaute (Diphtonge)

A) i, u, ü.

a) beißen          =beuisn                          l) Zaun             =tsem

b) gleich           =glech                            m) Raupe         =rep

c) reiten            =redjen                          n) bauen           =ban

d) Seite            =setch                            o) Teufel      =doivl

e) Meile           =mel                               p) läuten           =ledden

f) Weiher          =wauier                          q)neun              =nunj

g) Maus           =maeis                           r) Beule            =bolj

h) sauer            =saeier                           s) Feuer           =fir

i) Bauch           =bech                             t) Greuel      =grael

k) Kraut           =kret

zu a) Deichsel, bleichen, bekleiden: gehen mit beißen

zu b) Geige: reimt auf gleich

zu c) schneiden: reimt auf reiten

zu f) verzeihen: geht mit Weiher

zu g) tausend: geht mit Maus

zu h) traurig: geht mit sauer

zu k) Braut, Maut: reimt auf Kraut

zu l/m) braun, Daumen: braun reimt auf Zaun, gehen mit Zaun und Raupe

zu n) trauen: geht mit bauen

zu q) Euter, heute: gehen im Vokal mit neun, in der folgenden Konsonaz mit reiten - Seite. Ebenso im allgemeinen Beutel. Doch Brenndorf borl.

zu r) Eule: geht, soweit üblich, mit Beule, in Brenndorf fehlt dieses Wort

zu s) Heuer: fehlt im Burzenland

zu t) bleueln, kauen, neu: gehen in allgemeinen mit Weiher. Das Wort bleuln fehlt in Brenndorf.

___________________________________________________________________________

B) ai, au.

a) Fleisch         =fleuisch

b) Schnee         =schnoi

c) Ei                 =achen (auchen)

d) Mai              =moe (maee)

e) wenig           =venich

f) elf                 =elf

g) taub             =däif

h) Floh             =floi

i) tot                 =doid

k) Frau             =Frae

C) e, io, o.

a) Brief             =braif

b) fließen          =flaisn (flaesen)

c) ziehe            =tsoch

d) kriechen       =krechen

e) Ruhe            =raei

f) Buch             =bek

g) Bruder         =breder

h) Blume      =blem

i) Mutter      =metter

k) süß              =soiss

l) suche            =sokjn

m) grün            =gronj (gron´)

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zu b) Knie, frieren, tief. schließen sich an fließen an

zu c) Ziegel: schließt sich im Stammvokal an ziehe. Bieten: bod`jn

zu d) riechen, lügen: gehen mit kriechen

zu e) Kuh, Mulde: gehen mit Ruhe

zu f) Pflug, klug: reimen mit Buch

zu g) Blut: geht mit Bruder

zu h) Kufe: geht mit Blume

zu i) Futter (Unterfutter): geht mit Mutter

zu k) Frühe, trübe: gehen mit süß

zu m) Tücher: geht mit grün

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D) a.

a) Pfahl            =paeil

b) Klafter         =lofter

c) jähe              =geei

d) Magd           =moed

zu a) blau, Anneliese, gehen, Abend, Blatter, fragen: gehen überall mit Pfahl. Dieser Gruppe hat sich auch Tafel angeschlossen und nach vokalisierung des g, Hagel, klagen, tragen.

zu c) fahren: geht mit jähe; es schließen sich an: Zähre, Sense, Egge.

5. Kurze Vokale vor l-, r- und h-Verbindungen

A) Vor l- Verbindungen

a) Spindel         = schpael

b) schuldig        =schaldich

c) Schulter        =scholder

d) melken         =moelken

e) älter             =al`d`jr

f) Kälber     =kalver

g) Wolf            =waeilf

h) alt                =ault

zu b) umstülpen: geht mit schuldig

zu f) Schwalben: schpalfker

zu g) Stolz: geht mit Wolf

zu h) Kalb: geht mit alt

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B) Vor r- Verbindungen

a) Schürzchen   =schirtsken

b) kurz             =kurtsch

c) Borten          =baeirten

d) Erde            =iert

e) sterben         =schtarven

f) gerne            =garen

g) scharf           =schuerf

h) Arbeit      =arbet

i) Mörser          =moizer

k) Wirbel         =vervl

l) Bild          =beld

zu b) Wurzel: schließt sich mit dem Stammvokal überall an kurz an

zu c) Korb: geht mit Borten

zu e) Herbst und Ernte: gehen im allgemeinen mit sterben

zu g) warm: geht überall mit scharf

zu h) Arm, barfuß, farbig: gehen mit Arbeit

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C) Vor h- Verbindungen

a) Frucht     =frucht

b) Tochter        =daeichtr

c) Schaft      =schuecht

d) Flachs          =flues

zu c) acht: geht mit Schaft, ebenso Docht

zu d) Achsel: geht mit Flachs

 Kurze Vokale vor Nasal- und Nasalverbindungen

A) Vor ns und nf

a) Zins              =



b) Gans            =gaeis

c) Nienstag       =deaestich

d) Unschlitt       =

zu a) Linse, fünf: gehen mit Zins

B) Vor Nasal mit Verschlußlaut

a) Kind            =kaentch

b) stinken         =schtaenkn

c) funkeln         =fan`kln

d) binden          =bun`djn

e) Finger      =fon`er

f) Hund            =hand

g) jung              =gang

h) stumpf          =schtaemich

i) denken          =dinken

k) Ende            =on`tch

l) Hand             =haeint

m) Ampfer       =aeimper

n) Zange      =tsong

o) Mantel         =monkl

p) Amt             =omt

zu g) Lunge, Zunge: gehen mit jung

zu i) Kränzchen, kränklich: gehen mit denken

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C) Vor einfachem Nasal (stimmhaften Sprachlaut)

a) Sommer       =semmer

b) nehmen        =nin

c) Ente             =int

d) Hammer       =humer

zu b) geben: reimt auf nehmen

zu e) Gänserich (Ganser): geht mit Hammer

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D) Vor Doppelnasal

a) dünn             =dan

b) Sonne     =zan(san)

c) Flamme        =flom

zu a) Amme: geht mit Flamme, in Brenndorf: omgrae

In Mangel einer 'amtlichen Rechtschreibung' sächsischer Texte, haben Verfasser mundartlicher Schriften nach eigenem Ermessen und nach Maßgabe der in der jeweiligen Druckerei vorhandenen Lettern ihre Schreibweise angewendet. Da aber nur wenige Wörter in der Mundart - auch in der Brenndörfer Mundart - die gleiche Lautform haben wie die Lautsprache, müssen fast alle eine Schreibung erfahren, die hiervon abweicht. Unter Anwendung besonderer Schriftzeichen, muß sich dabei das Schriftbild dem Hochdeutschen annähern, so daß deim lauten Lesen eine einigermaßen treue Wiedergabe der lautlichen Eigenheiten der Mundart erreicht wird.

Unsere Mundart zeichnet sich durch folgendes Sondergut von allen anderen Burzenländischen Mundarten ab: sie neigt im höchsten Grade der dialektischen i-Färbung zu.

Wir lesen das Vaterunser in Brenndörfer Mundart:

Vueter aser doi tea bas am Hemmel,

gehelicht ward denj Numen,

ze äis kam denj Rech,

denj Wallen geschaih am Hemmel och af Ierden,

as daichlich Broit gav es hotch

ent vergav as as Schäilden wai uch mir vergien asen Schaldigern,

ent foir es netj an Versochung,

sondern erlois as vun allem Iwel,

dann denj as det Rech, de Kraft och de Harrlichkait, an Oiwigkait,

                                                                                          Amen.

     Seite 45

Damals in der sogenannten guten alten Zeit, war bei der 'deutschen Schrift' noch das Schmuckbedürfnis groß, wie solches aus dem Brief an Fräulein Anna (   ), in Zeiden hervorgeht. Ein Netz von kurzer Haken und Stäbchen bedecken die Leerräume, es entstand ein ganzes Gewebe, ein Bildwerk schon.

Ja, es ist leider wahr, daß wir die Schrift unsrer Eltern, unseres Volkes, vernachlässigen. Der 'Umerziehungseinfluß' ist zur Zeit noch viel zu groß, als das eine neue Blütezeit unserer schönen 'gotischen Schrift' anbrechen könnte.

Der Schönheitssinn und der seelische Bereich haben erst wieder eine Heimat, wenn die Grenzen des Wachstums allseits eine Umkehr, ein Umdenken hervorrufen, und dann die 'deutsche Schrift' wieder und unaufgefordert ihren angestammten Platz im Reigen des Vielgestaltigen einnimmt.

Ein lieber Brief an seine Liebste gehörte damals zur schönen Beschäftigung, zur Aufrechterhaltung einer bewährten Ordnung und Gewohnheit.

     Seite 46

Am 29.11.1894 übermittelte aus Hermannstadt der 'dankbare Sohn' seinem lieben Vater, dem 'ehrwürdigen Herrn Andreas Stamm, ev. Prediger in Brenndorf im Kronstädter Komitat in Siebenbürgen' herzliche Glückwünsche zum Namenstag, und dieses in schöner Gotischer Schrift, die unsere Eltern damals so meisterlich beherrschten:

Hermannstadt, 29 XI 1894

Lieber Vater!

Schon wieder ist ein Jahr um seit deinem lieben Namenstage. Fern von dir lieber Vater, will ich dir meine Glückwünsche darbringen.

Gott, der Allmächtige, lasse dich deinen Namenstag in bester Gesundheit noch viele Jahre hindurch zufrieden erleben. Im Geist sehe ich meine lieben Geschwister sich um dich versammeln, um dir ihre Glückwünsche mit freudigem Herzen darzubringen. Wie gerne möchte ich dieses auch mündlich tun, doch dies kann nicht geschehen.

Auch dem Defi(?) wünsche ich das Beste, was nur ein guter Bruder ihm wünschen kann.

Nochmals meinen herzlichen Glückwunsch wiederholend, verbleibe ich dein dankbarer Sohn Albert.

Es werden noch einige Jahrzehnte vergehen, bis sich der deutsche Mensch auf seine Wesensart besinnt und wieder 'ordentlich und leserlich' deutsch schreiben wird, so wie es hier ein siebenbürgischer Bauernsohn gekonnt vorführt.

Vor 100 Jahren sprach kein vernünftiger Mensch von 'lateinischen Buchstaben'.

     Seite 47 (Gedicht in 'gotischer' Schrift)

L.A.

Ein schönes Wort grub sich ins Herz mir ein,

Wie auch die Jahre flüchtig mir entschweben,

Im Herzen flammt es:(     ) dir ergeben!

Gegrüßt mit ihm sollst du auch heute sein!

Den Tag, der dich gebar, sah hell und rein

Ich aus Aurorens Armen sich erheben.

Reich sei an Glück dein ganzes langes Leben

Ein Maitag sei's voll Duft und Sonnenschein.

Rollst du den Vorhang der Vergangenheit

Gedankenvoll empor in dieser Stunde,

Erglänze dir ein Bild auf lüftem Grunde,

Bei dem dein Herz verjüngt sich und erfreut,

Ein Bild, das dir, von mildem Glanz umstrahlt,

Nur Stunden reich an Glück und Freude malt.

                                                                   A.

Brenndorf am 15. XII: 1905

     Seite 48, 49 und 50

4 Sprüche, Kinderreime

Unser Landsmann Friedrich Martini weiß viel von den Weidenflöten in Brenndorf:

'Im Frühling, wenn der Saft in die Weidenruten steigt, wurden 20-30 cm lange fingerdicke Stücke geschnitten und auf dem Knie, oder auf dem Schuh, solange geklopft, bis sich die Rinde vom Holze löst. Dann wird das Windloch so geschnitten, daß beim Herausziehen des Holzes das Rindenrohr nicht verletzt wird. In dieses Ende des Rohres wird der Halbrunde Holzpfropfen als Mundstück so eingeschoben, daß der Luftstrom vorbeigehen kann. In das andere Ende des Rohres wird das Reststückchen des Holzes nicht ganz hineingeschoben, der 'Schtappen'. Beim Hineinblasen entsteht ein Flötenton in der 'Fläir'. Die 'Puims' hat zum Unterschied von der 'Fläir' kein Windloch und kein Holz. Nach dem Herausziehen des Holzes wird das Rindenrohr an einem Ende zusammengedrückt und flach abgeschabt. Das andere Ende wird offengelassen. Beim Hineinblasen entsteht ein vom Flötenton sehr unterschiedlicher Ton. Die 'Puims' wird darum auch der 'Furzer' genannt. Das Klopfen der Weiderute wird mit Singen eines 'Bastlösereimes' begleitet. Unter diesen gibt es alte Reime, die Wünsche beinhalten, Wünsche, die in Erfüllung gehen sollen, wie in alten Märchen, wo Wünsche noch geholfen haben. Mit einem alten Zauberreim wurde in Brenndorf das Klopfen der Weidenrute für die 'Fläir' und für die 'Puims' begleitet:

'Schana, Schana, hil

get geraude fil

get geraude Baffelkaulf

get geraude Sauft.'

Bei dem Deuten der alten Worte fällt auf, daß es sich um Jungtiere im Stall handelt, deren Wohlgedeihen Kindern sehr am Herzen lag.

'Schana': Stets spricht zu Beginn der Anrufer den Namen eines Helfers aus, darum wird er zweimal ausgerufen. In Schana ist die Stammsilbe des viel verbreiteten männlichen Vornamens enthalten: Johann, John, Jahn, Jean. Außerdem auch die weibliche Form von Johann, zweisilbig, in verschiedenen Abwandlungen der entsprechenden Sprache. Schana am nächsten kommen Namen in slawischen Sprachen vor: 'Jana' in Sibirien, im Slowenischen, im Sorbischen, im Tschechischen. 'Jena' im Bulgarischen. Die 'hil' ist die Wohnstätte des Helfers oder der Helferin. 'fil' nennt man im altdeutschen das kleine Fohlen. 'gat' steht für gut, 'geraude' für gerate, 'Baffelkaulf' für Büffelkalb. Büffelkälber gab es früher mehr an der Zahl als andere Kälber in Brenndorf. 'Sauft' = der Saft der Weidenrute. Zusammenfassend und übersetzt, die Namen geschliffen:

'Johanna, Johanna, an der Hil

gut gerate das kleine Fohlen

gut gerate das Büffelkalb

gut gerate der Weidensaft.'

Die Brenndörfer Mundart hat den älteren Namen der östlichen Teilstrecke der Honigbergergasse bis heute erhalten. Hier verehrten bulgarische Gastarbeiter in der 'Belgergauss' ihre Helferin Johanna. Nachbarkinder verschiedener Sprachen verstanden sich im Sprechen, Spielen und im Singen miteinander.'

     Seite 51

5 Andere über uns

1. Wie es um die geistige Eigenart der Burzenländer Sachsen bestellt ist, verrät uns Dr. A. Hermann in seinem Buch 'Die deutschen Bauern des Burzenlandes' (99). Darin heißt es:

' Der Burzenländer Deutsche ist in seinem Wesen noch durchaus Siebenbürger Sachse: Geschichte, Sprache, Brauchtum und alle Zweige geistiger Kultur verbinden ihn mit der Sächsischen Gemeinschaft. Er ist sich dieser Bindung bewußt und pflegt sie in Treue. Und doch hebt er sich aus der Gesamtheit der Sachsen mehr als irgend eine Gruppe ab. Auch dieses weiß er und will es so. Denn er ist eigenwillig und selbstbewußt, Eigenschaften, die allen Sachsen zukommen, beim Burzenländer aber stärker ausgebildet sind als bei den andern.

Die Eigenwilligkeit hat oft einzelne Gemeinden veranlaßt, sich gegen Bevormundung und Entrechtung mit Gewalt aufzulehnen, wie es Brenndorf gegenüber den Gräven vom 'Edelhof' tat. (Die Geschichte spricht hier von der ersten Bauernerhebung des Burzenlandes.)

Das Selbstbewußtsein hat hat die Burzenländer vor geistiger und körperlicher Vermischung mit andern Völkern in hohem Maße bewahrt.'

     Seite 52 und 53

2. Der 3. Kriegswinter 1917 war kalt und dauerte lange. Not und Hunger spürten auch die Berliner Kinder. Zur Linderung derselben, bildete sich auch im Burzenland eine Gemeinschaft des Mitgefühls und Handelns. Die Gemeinden Marienburg, Nußbach, Honigberg, Rosenau, Zeiden, Tartlau, Wolkendorf, Neustadt, Weidenbach, Rothbach, Petersberg, Brenndorf und die große Stadt Kronstadt fühlten sich in Volkstumspflicht genommen und empfingen viele Berliner Kinder in ihren warmen Stuben zur 'Auffutterung', wie man damals scherzhaft sagte.

Von den 800 Berliner Kinder, die zu zweimonatigem Sommeraufenthalt ins Burzenland kamen, beherbergte Brenndorf 85. Sie haben sich bei uns fast ohne Ausnahme äußerst wohlgefühlt, wie ihre auch jetzt noch hergerichteten Briefe und Karten sowie andere Anzeichen hinweisen: sie haben unser schönes Land und seine Leute kennengelernt und was mehr ist: lieb gewonnen. Vor ihrem Abschied gab (     ) erst die Mädchen, dann die Knabengruppe einen Familienabend im Gemeindesaal, deren Erträgnisse dem Kriegswaisenfond zugute kamen. Außerdem schenkten die Berliner Mädchen den namhaften Betrag von 80 Kronen in den Fond zur Pflege der deutschen Heldengräber auf unserem Friedhof.

Die Mütter in Berlin werden zufrieden gewesen sein, mit den runden Backen und dem guten Aussehen ihrer Lieblinge das wohl etwas mit dem reichlichen Mitbringsel an Speck, Wurst, Kleidern und Wäsche zu tun hat, aber bestimmt auch mit den offenen Herzen ihrer Pflegeeltern 'weit drunten in Siebenbürgen'. Die reichten ihnen Palukes, Kuchen, Hanklich und andere bäuerliche Speisen, dazu die so gute Büffelmilch!

Als Dank für diese brüderliche Tat stiftete die Stadt Berlin umseitige Urkunde, die alle Helfer und Freunde der Berliner Kinder im dritten Kriegswinter 1917 erhielten.

Abb: Die Stadt Berlin dankt..Unser Freund Klein Hermann (41) hat uns diese in seinem Besitz befindliche Urkunde zur Veröffentlichung freigegeben. Den Bericht gab uns ein anderer Freund: Tontsch Heinrich.

     Seite 54

Abb: Gefangene als Erntehelfer 1915

Ob es unseren in Gefangenschaft gestorbenen Soldaten auch so gut ging wie diesen rumänischen Gefangenen bei uns? Wir wollen es hoffen. Sie werden bezeugen müssen, daß sie nicht hungern mußten und auch freundlich behandelt wurden.








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